4 Warum Märkte ohne soziales Vertrauen kollabieren

Shownotes

Ein Markt ist kein Stück Natur, sondern ein Bauwerk. Der freieste Markt ruht auf dem dichtesten Fundament. Wer die Regeln schreibt, entscheidet, wer mitspielen darf.

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00:00:00: Das ist der Podcast.

00:00:01: Herbert und Mara erklären Wirtschaft.

00:00:03: Heute widmen wir uns dem Thema, Märkte sind soziale Einrichtungen!

00:00:08: Und wir steigen direkt in ein Szenario ein, dass du wahrscheinlich erst gestern Abend selbst erlebt hast.

00:00:14: Stell dir vor, du liegst auf dem Sofa – hast dein Smartphone in der Hand – und bestellst so'n ganz spezielles Ersatzteil für deine Kaffeemaschine.

00:00:21: Genau.

00:00:22: Eines das man im Laden um die Ecke halt einfach nicht bekommt.

00:00:25: Richtig Der Verkäufer dieses Teils sitzt aber vielleicht auf einem völlig anderen Kontinent.

00:00:30: Du kennst diesen Menschen nicht, du hast seinen Lager noch nie von innen gesehen und trotzdem überweißt du ihm im Voraus dein hart verdientes Geld!

00:00:38: Du lehnst dich dann zurück und gehst absolut selbstverständlich davon aus dass in ein paar Tagen ein Paket vor deiner Tür

00:00:44: liegt.".

00:00:45: Und das ist eigentlich total verrückt oder?

00:00:47: Also wenn wir diese ganze gewohnte Routine mal kurz ausblenden... Ist dieser einfache Vorgang eine logistische und vor allem eine psychologische Meisterleistung.

00:00:57: Absolut, das ist ein schieres Ausmaß an Vertrauen, dass da in Millisekunden über den Bildschirm flimmert – und das wird im Alltag völlig unterschätzt.

00:01:06: Total!

00:01:07: Wir neigen ja dazu Wirtschaft immer durch diese Linse von klassischen Lehrbuchmodellen zu betrachten.

00:01:13: Da wird der Markt als so'n ganz Stereles fast schon abstraktes Konstrukt skizziert wie so'nen Luftlehreraum.

00:01:21: Ja genau wo... Käufer und Verkäufer einfach rein rationale Entscheidungen treffen.

00:01:25: Exakt!

00:01:26: In der Theorie geht es da letztlich nur um drei Variablen, also Angebot Nachfrage und Preis.

00:01:33: Und dann pendelt sich alles wie von Zauberhand in so einem perfekten mathematischen Gleichgewicht ein?

00:01:39: Das

00:01:39: ist immer die Perspektive bei der der Markt wie eine perfekt geölte Maschine wirkt.

00:01:47: Ich vergleiche das ja wahnsinnig gerne mit einem Auto.

00:01:50: Stell dir vor, ein Auto bestünde ausschließlich aus einem blitzblanken Motorblock.

00:01:56: Auf dem Papier oder wenn der da auf einer Palette in der Werkstatt steht sieht dieser Motorblock fantastisch aus!

00:02:02: Die Ingenieurskunst ist markelos aber er bringt dich keinen einzigen Meta-Formates.

00:02:08: Ja logisch es fehlt das ganze drum herum?

00:02:10: Eben damit so ein Auto wirklich fährt brauchst du ein komplexes Ökosystem.

00:02:15: Du brauchst Schläuche und Treibstoff Schmieröl gegen die ständige Reibung und natürlich brauchst du Asphalt, auf dem die Reifen überhaupt erst greifen können.

00:02:25: Und du bist natürlich zwingend darauf angewiesen dass sich die anderen Fahrer auch an die Regeln halten also ansichtbare und unsichtbare Verkehrsregeln damit du eben nicht an der aller ersten Kreuzung direkt verunglückst.

00:02:37: Ganz genau!

00:02:38: Wenn wir das jetzt mal auf diese Online-Bestellungen von vorhin übertragen dann bedeutet das Der reine Kaufpreis für dieses Kaffeemaschinen Ersatzteil.

00:02:47: Das ist nur dieser nackte Motorblock.

00:02:49: Er ist das Endergebnis, aber er ist nicht das Fundament.

00:02:54: Ein sehr schönes Bild!

00:02:55: Weil um dieses Paket überhaupt auf den Weg zu bringen.

00:02:58: da ist ein massives tief verwurzeltes Geweben nötig aus Institutionen und sozialen Abmachungen.

00:03:05: Du drückst eigentlich nur deshalb entspannt auf jetzt kaufen weil ein gigantischer Apparat im Hintergrund operiert.

00:03:12: Ja man hatte eine enorme Sicherheit im Rücken die man gar nicht bewusst wahrnimmt.

00:03:17: Richtig!

00:03:17: Es gibt durchsetzbare Verträge.

00:03:19: Sollte der Verkäufer jetzt das Geld einbehalten und nicht liefern, dann stehen im äußersten Notfall immer noch Gerichte bereit – die erzwingen dann dein Recht auf Eigentum oder eben auf eine Rückerstattung.

00:03:30: Und dieses staatliche Gewaltmonopol ist quasi ja.

00:03:33: das ist das Rückgrat von dieser ganzen Transaktion?

00:03:36: Genau.

00:03:36: Aber dieses unsichtbare Gewebe, das reicht ja noch viel weiter.

00:03:40: Weit über so ein geschriebenes Gesetzbuch hinaus!

00:03:43: Ja da sprechen wir dann von der ganzen digitalen und gesellschaftlichen Infrastruktur die unser Risiko im Alltag minimiert.

00:03:49: Denk mal an sichere Zahlungssysteme, die wie so eine Art Teuhänder agieren

00:03:54: Oh ja PayPal- und Konsorten

00:03:56: Genau.

00:03:57: oder diese ganzen digital Bewertungssysteme.

00:04:00: Die schaffen ein modernes Reputationskapital.

00:04:04: Also ein Verkäufer wird sich extrem hüten, dich über den Tisch zu ziehen wenn eine einzige schlechtere Zension seinen zukünftigen Umsatz über irgendein Algorithmus komplett vernichtet.

00:04:14: Absolut und ganz basal.

00:04:17: wir operieren einfach in einer Gesellschaft in der es die ungeschriebene Norm ist dass man geschäftliche Zusagen einhält.

00:04:23: zieht man all diese Ebenen ab also die Rechtssicherheit das funktionierende Geld die soziale Norm dann passiert was?

00:04:29: Dann kollabiert er Markt und zwar bevor auch nur ein einziger Preis überhaupt verhandelt werden kann.

00:04:34: Exakt!

00:04:34: Wenn diese Marktmechanismen, die ja jetzt durch dieses soziale Gewebe gestützt werden derart Effizienz sind also wenn sie wildfremde Menschen für so einen globalen Handel zusammenbringen dann wirft das für mich eine fundamentale strukturelle Frage

00:04:49: auf ok schieß los

00:04:50: naja warum nutzen wir dieses geniale Werkzeug da nicht für einfach absolut alles?

00:04:55: Wenn ich mir unsere Arbeitswelt ansehe Da organisieren wir uns ja völlig anders.

00:05:00: Wie meinst du das genau?

00:05:02: Stell dir vor, ein Unternehmer würde jeden Morgen auf einem freien Markt genau die Handgriffe versteigern, die er heute braucht.

00:05:08: Sagen wir, er braucht drei Stunden Fließbandarbeit hier, zwei Stunden Buchhaltung da – Das macht der nicht!

00:05:14: Stattdessen baut er eine feste Firma auf.

00:05:17: Ah ich verstehe worauf Du hinaus willst.

00:05:20: Er schließt langfristige Arbeitsverträge ab, er schafft steife Hierarchien und er koordiniert die Arbeit durch Befehle von oben nach unten.

00:05:28: So eine klassische Firma operiert doch im Grunde wie so ne kleine Planwirtschaft.

00:05:32: Warum verzichten wir da pritzlich freiwillig auf diese tolle Effizienz des Marktes?

00:05:36: Das

00:05:36: ist ne super Frage!

00:05:38: Und die Existenz von Unternehmen is tatsächlich der allerbeste Beweis dafür, dass der freie Markt erhebliche Eigenkosten verursacht.

00:05:47: Diese Kosten entstehen durch die Reibung, die jede einzelne Transaktion auf dem Markt mit sich bringt.

00:05:53: Würde dein Unternehmer jeden Arbeitsschritt täglich neu über den Markt einkaufen, müsste er ja permanent suchen.

00:06:01: Eben!

00:06:02: Er müsste hunderte Male am Tag Preise aushandeln, er müsste jedes Mal neue Verträge aufsetzen und alle Konditionen klären.

00:06:10: Und noch gravierender ist das Risiko des sogenannten Opportunismus.

00:06:14: Was genau heißt das in dem Kontext?

00:06:16: Stell dir vor der Freelancer, den du morgens angeheuert hast verlangt mitten im Projekt plötzlich das Doppelte an Geld Einfach weil er genau weiß, dass du unter Zeitdruck stehst und jetzt keinen Ersatz mehr findest.

00:06:27: Ah ok!

00:06:29: Der nutzt seine Machtposition in dem Moment voll aus.

00:06:31: Richtig... der Aufwand all diese Mini-Verträge zu überwachen und rechtlich irgendwie abzusichern das würde jede Produktivität schon im Keim ersticken.

00:06:41: Verstehe also wenn ich jeden Morgen einen neuen Programmierer für ein laufendes Softwareprojekt anheuern muss dann ist die ganze zeit die Ich für die Suche brauche Für die Qualitätskontrolle, das ist quasi eine Strafgebühr für die Nutzung des freien Marktes.

00:06:57: Das ist eine großartige Beschreibung – eine Straftgebühr!

00:07:01: Genau.

00:07:01: Und wenn diese Strafgebühr also diese Reibung von der du sprichst den eigentlichen Wert der Arbeit übersteigt dann ziehe ich die Reißleine?

00:07:08: Exakt und genau diese Reiß-Leine ist in unserer Wirtschaft die Gründung eines Unternehmens.

00:07:13: man nimmt bestimmte Aufgaben aus diesem extrem stürmischen Meer des Marktes heraus und kapselt sie in eine feste institutionelle Hülle ein

00:07:22: um Ruhe reinzubringen.

00:07:23: Ja, voll!

00:07:24: Innerhalb dieser Hülle wird dann einfach nicht mehr bei jedem Handgriff über den Preis verhandelt.

00:07:28: stattdessen greift das Direktionsrecht Es wird per Anweisung koordiniert Mach bitte Aufgabe A Dann Aufgabe B. Okay

00:07:37: Das heißt Unternehmen existieren also nicht trotz des Marktes sondern weil der Markt für so eine hochkomplexe kontinuierliche Zusammenarbeit oft schlichtweg viel zu teuer und ineffizient in der Handhabung ist?

00:07:49: Ganz genau Sie sind wie kleine Inseln der Planung, die sich gegen diese Reibungsverluste des Marktes abschirmen.

00:07:56: Diese Inselanalogie, die verdeutlicht das extrem gut!

00:08:00: Der Markt ist also kein dogmatisches Allheilmittel, wie oft behauptet wird, sondern ein ganz spezifisches Werkzeug.

00:08:07: Man schaltet ihn ein wenn die Reibung gering ist und Dinge standardisierbar sind... ...und man ersetzt ihn durch interne Planungen, wenn diese Komplexität ausufert.

00:08:17: Und wenn wir dieses Konzept jetzt Also das unsichtbare Gewebe und die institutionelle Reibung mal von der Mikrowelt einer einzelnen Firma auf die Makroökonomie übertragen, dann landen wir ganz schnell bei der Frage nach dem Wohlstand ganzer Nationen.

00:08:32: Oh ja da wird es richtig spannend!

00:08:34: Ein Blick auf die Weltkarte zeigt uns ja wirklich extreme Gegensätze zwischen armen und reichen Ländern.

00:08:40: Und der intuitive Reflex also wenn man so drüber nachdenkt ist doch eigentlich diesen Unterschied auf physische Gegebenheiten zurückzuführen

00:08:48: dass man denkt, Land A ist reich wegen der Geografie.

00:08:52: Genau!

00:08:52: Man sagt sich ein Land floriert weil es auf riesigen Ölvorkommen sitzt oder weil es fruchtbare Böden hat oder weil das geografisch super günstig an Handelsrouten liegt.

00:09:03: Wie viel Gewicht hat dieses abstrakte soziale Gewebe?

00:09:07: Wenn man es wirklich gegen harte greifbare Bodenschätze abwegt.

00:09:11: Das ist ein sehr hartnäckiger Mythos, aber wenn wir die Wirtschaftsgeschichte betrachten verlieren diese ganzen physischen Ressourcen im direkten Vergleich drastisch an Bedeutung.

00:09:23: Krass!

00:09:23: Hätte man intuitiv anders eingeschätzt?

00:09:25: Ja absolut.

00:09:26: Es gibt unzählige Beispiele von Nationen, die über gigantische Vorkommen an Kupfer, Öl oder Diamanten verfügen und trotzdem lebt der Großteil der Bevölkerung in extremer Armut

00:09:38: Und umgekehrt.

00:09:39: Umgekehrt sehen wir Länder, die so gut wie keine nennenswerten Rohstoffe haben.

00:09:44: Die mit echt widrigen geografischen Bedingungen kämpfen und die trotzdem zu den wohlhabendsten der Welt gehören.

00:09:50: Okay aber was ist dann der treibende Faktor?

00:09:53: Der

00:09:53: entscheidende Faktor, der diesen enormen Unterschied diktiert, ist die Qualität der Institutionen.

00:10:00: Historisch betrachtet haben Märkte nie völlig autonom existiert.

00:10:04: sie waren immer tief in eine gesellschaftliche Ordnung eingebettet Und wo diese Ordnung fehlt, dann nützt ihr auch das meiste Gold im Boden nichts.

00:10:13: Bevor wir das jetzt noch tiefer analysieren... Wenn wir hier von Institutionen sprechen, dann meinen wir ja nicht zwangsläufig irgendwelche alten Gebäude mit dicken Säulen da vor oder?

00:10:22: Nein überhaupt nicht!

00:10:23: Wir sprechen von den etablierten Spielregeln einer Gesellschaft.

00:10:26: Lass uns als konkretes Beispiel mal das Patentrecht nehmen.

00:10:29: Ein sehr gutes Beispiel

00:10:31: Ohne ein verlässliches Patent Recht hat ein Ingenieur ja kaum einen Anreiz Jahre seines Lebens und Millionen an Kapital in die Entpecklung von einer neuen Technologie zu stecken.

00:10:42: Weil wenn sein Nachbar die Idee am Tag der Veröffentlichung einfach straffrei kopieren kann, warum sollte er sich die Mühe machen?

00:10:49: Herr Wehringer dumm das Risiko einzugehen!

00:10:51: Genau

00:10:52: Die Institution des Patent-Rechts sichert also nicht nur das Eigentum im Nachhinein ab Sie ist der kausale Auslöser dafür dass in diesem Land überhaupt erst innoviert wird.

00:11:01: Perfekt zusammengefasst Institutionen definieren nämlich die Anreizstrukturen einer gesamten Gesellschaft.

00:11:08: Und lass uns das mal auf diese Ressourcen reichen, aber trotzdem Armenländer anwenden!

00:11:13: Dort erleben wir ganz oft die sogenannte Ressoursenfluch-Dynamik.

00:11:17: Den Begriff hat man schonmal gehört...

00:11:19: Ja, das passierte Renne Kleine politische Elite den Zugang zu einer lukrativen Ölquelle kontrolliert.

00:11:25: Diese Elite muss den Reichtum des Landes gar nicht durch Innovation oder die gute Ausbildung der Bevölkerung generieren.

00:11:31: Die pumpen das einfach ab!

00:11:33: Exakt.

00:11:34: Sie können den Rohstoff einfach aus dem Boden pumpen und treuer exportieren, und die Folge daraus ist katastrophal!

00:11:41: Diese Elite hat überhaupt keinen Andreiz breite inklusive Institutionen aufzubauen – also etwa ein unabhängiges Justizsystem oder verlässliche Eigentumsrechte für die

00:11:51: Normalbürger.".

00:11:52: Weil solche Institution ihre eigene Macht nur gefährden würden?

00:11:55: Wenn Gerichte plötzlich unabhängig entscheiden, könnten die ja der Elite das Öl wegnehmen...

00:12:00: genau das ist die Befürchtung.

00:12:01: Und das bedeutet, die politische Führung hat ein komplett rationales Interesse daran, dass unsichtbare Gewebe des Marktes absichtlich schwach zu halten.

00:12:11: Wahnsinn eigentlich!

00:12:12: Das heißt niemand im Land wird dann langfristig investieren oder Fabriken bauen weil die ständige Gefahr der Enteignungen und der willkürlichen Besteuerung durch so korrupte Beamte wie ein Damocles Schwert über jeden Geschäftsmodell hängt.

00:12:28: Absolute Kern des Problems ohne das tiefe Vertrauen in diese schützenden Institutionen findet schlichtweg keine komplexe wirtschaftliche Entwicklung statt.

00:12:37: Das Land verharrt in so einer ganz primitiven Extraktionsökonomie, der Wohlstand eines Landes basiert am Ende also gar nicht darauf was tief unten unter der Erde liegt sondern darauf welche Regeln und Normen oben auf der Oberfläche gesellschaftlich durchgesetzt werden.

00:12:50: Wenn robuste staatliche Institution Also sowas wie ein unabhängiges Gerichtswesen oder die strikte Durchsetzung von Eigentumsrechten Fundament für jeden funktionierenden Markt sind.

00:13:01: Dann kollidiert diese Erkenntnis massiv mit unserer heutigen politischen Rhetorik.

00:13:05: Inwiefern?

00:13:07: Naja, in öffentlichen Debatten werden Staat und Markt doch fast ausschließlich als Feinde dargestellt – als antagonistische Kräfte!

00:13:13: Ja das stimmt leider….

00:13:16: Das wird oft so aufgesetzt.

00:13:17: Da heißt es immer der freie Markt wird durch die staatliche Regulierung erstickt oder eben von einer anderen Seite.

00:13:23: Der Staat muss diesen wilden bösen Markt endlich bändigen.

00:13:27: Und wenn Unternehmer sich im Alltag durch bürokratische Formulare und Steuererklärungen kämpfen müssen, dann nehmen sie den Staat ja zweifellos auch als extremlästigen Störenfried wahr.

00:13:37: Wie lösen wir in unserer Analyse diesen gefühlten Widerspruch auf?

00:13:40: Dieser Widerspruch der löst sich sofort auf, wenn wir zwischen regulatorischer Übersteuerung also zu viel Bürokratie und dem fundamentalen rechtlichen Unterbau unterscheiden.

00:13:52: Natürlich kann eine ausufernde Bürokratie die Reibung im Markt völlig unnötig erhöhen, aber auf der alleruntersten Ebene da ruht der Markt auf dem Staat.

00:14:03: Selbst das Geld dass wir jeden Tag verwenden?

00:14:06: Das ist ja kein Naturgesetz!

00:14:09: Eine Banknote hat keinen intrinsischen Wert – das es lediglich ein Stückchen Papier oder heutzutage ein digitaler Eintrag in irgendeiner Datenbank.

00:14:18: Sie funktioniert als Tauschmittel nur und ausschließlich deshalb, weil der Staat als Vertrauensanker auftritt.

00:14:25: Er garantiert dir, dass dieses Stück Papier von jedem anderen zur Begleichung von Schulden akzeptiert

00:14:31: wird.".

00:14:31: Also

00:14:32: ist unser Viat-Geld im Grunde das ultimative soziale Konstrukt?

00:14:36: Ohne dieses staatlich garantierte Vertrauennetzwerk gäbe es schlicht keine moderne Marktwirtschaft.

00:14:42: Genau!

00:14:42: Staat und Markt sind keine Gegner – sie bedingen einander….

00:14:46: Der

00:14:46: Staat gießt also das Fundament und der Markt ist dann quasi das prächtige Gebäude, das darauf errichtet wird.

00:14:53: Das türkische an diesem Fundament ist jedoch – und da müssen wir drüber sprechen – dass Vertrauen keine physikalische Konstante ist.

00:14:59: Man kann es nicht einfach per Dekret verordnen.

00:15:02: Definitiv nicht!

00:15:03: Man kann als Regierung noch so elegante Gesetze verabschieden und die Kontrollbehörden massiv mit Geld ausstatten.

00:15:08: wenn die Bevölkerung den Institutionen nicht glaubt, dann verpufft die gesamte Wirkung.

00:15:13: Vertrauen ist ja ein historisch gewachsenes Phänomen.

00:15:16: Und wie?

00:15:17: Es speist sich aus der Gewohnheit, aus sozialen Normen und der bewiesenen Integrität von Institutionen – und das oft über Jahrzehnte hinweg!

00:15:25: Und wie fragil dieses vertrauenen Wahrheit ist, dass offenbart sich meistens erst in Krisenzeiten aber dann auf ganz dramatische Weise.

00:15:33: Die Mechanik von so einem klassischen Bankrunn illustriert es ja perfekt.

00:15:37: Ein großartiges Beispiel,

00:15:38: ja?!

00:15:39: Denn unser Finanzsystem basiert auf fraktionaler Reservehaltung.

00:15:43: Das heißt, die Bank hat immer nur einen winzigen Bruchteil der Einlagen physischem Trisor liegen – der Rest ist als Kreditverliehen.

00:15:50: Exakt!

00:15:51: Das System funktioniert im Alltag einwandfrei so lange alle fest daran glauben das es funktioniert.

00:15:58: wenn nun aber plötzlich ein Gerücht aufkommt vielleicht über Twitter oder so und dieses psychologische Vertrauen kippt?

00:16:04: dann stürmen die Menschen panisch, die Filialen um sofort ihre Einlagen abzuheben.

00:16:09: Und das ist der Punkt an dem die rein psychologische Panik die materielle Realität erst erschafft?

00:16:14: Die Bank war vielleicht bis zu diesem Morgen noch völlig solide aufgestellt und finanziert aber dieser plötzliche Massenansturm treibt sie in genau die Insolvenz vor der die Kunden Angst hatten...

00:16:24: ...und dass Faszinierende dabei ist!

00:16:26: Die Gesetze haben sich in dieser einen Nacht überhaupt nicht geändert.

00:16:29: Die Verträge mit der Bank sind exakt identisch geblieben, das Gebäude steht noch aber der soziale Konsens hat sich buchstäblich in Luft aufgelöst.

00:16:37: und wenn dieser Konsens einmal verdampft ist dann friert er markt augenblicklich ein.

00:16:43: wir haben das Jahr zwei tausend acht gesehen.

00:16:45: banken leihen sich untereinander plötzlich keinen zent mehr der kreditfluss in die realwirtschaft stoppt komplett.

00:16:50: unternehmen können keine gehälter mehr zahlen

00:16:53: Und in so einem Moment kann kein noch so klug berechneter Zinssatz und keine panische Atok-Gesetzbebung dieses komplexe soziale Gewebe einfach auf Knopfdruck wiederherstellen.

00:17:05: Märkte sind eben keine unzerstörbaren Maschinen, sie sind hoch sensible soziale Arrangements die ständig auf so einen psychologischen Tipping Point balancieren!

00:17:15: Um dieses sehr spannende Wechselspiel aus Vertrauen, Reibung und diesen ganzen verborgenen Mechanismen unseres Alltags noch etwas analytischer greifen zu können rufen wir jetzt unser Gezeitenglosser

00:17:28: auf.

00:17:28: Da bin ich gespannt!

00:17:29: Wir widmen uns heute einen Begriff den wir im Grunde schon mehrfach umschiff haben der aber absolut zentral für das Verständnis der modernen Wirtschaft ist.

00:17:37: Transaktionskosten.

00:17:38: Ah ein sehr wichtiges Wort.

00:17:41: Dieser Begriff klingt ja zunächst nach so komplexen Fusionen von Großkonzernen, aber in Wahrheit ist es die unsichtbare Steuer, die wir alle tagtäglich auf unser menschliches Misstrauen zahlen.

00:17:53: Er umfasst sämtliche Mühen, Risiken und Kosten, die überhaupt erst anfallen, um einen Tausch zu ermöglichen.

00:18:00: Wichtig dabei?

00:18:01: Den eigentlichen Kaufpreis der Ware ausdrücklich ausgenommen!

00:18:04: Ein absolut klassisches Anwendungsfeld für dieses Konzept und das wird in der Wirtschaftswissenschaft ganz oft genutzt, ist der Gebrauchtwagenmarkt.

00:18:13: Der zeigt perfekt wie Informationsasimetrien diese Kosten hochtreiben!

00:18:18: Genau lass uns das durchspielen.

00:18:20: nehmen wir an du willst dir privat ein gebrauchtes Auto kaufen?

00:18:24: Der Preis von sagen wir mal acht tausend Euro für das reine Fahrzeug ist nur die halbe Miete.

00:18:30: Die Informationsasymetrie besteht jetzt darin, dass der Verkäufer ganz genau weiß ob das Auto einen versteckten Getriebesschaden hat.

00:18:38: Du als Käufer weißt es aber nicht.

00:18:39: Siehst

00:18:40: den Blecher nicht an wie es drinnen aussieht?

00:18:42: Eben

00:18:42: und um diese Informationslücke zu schließen musst du investieren!

00:18:46: Du verbringst Stunden auf Online-Portalen, du fährst quer durch die Stadt für eine Besichtigung, du bezahlst vielleicht noch ein Gutachter für ein Check und du verbrängst Zeit mit zehn nervenaufreibenden Vertragsverhandlungen.

00:18:59: All diese Aufwände, also deine Zeit das Gutachten der Stress und dieses verbleibende Risiko am Ende doch betrogen zu werden.

00:19:06: Das sind die Transaktionskosten!

00:19:08: Und das Problem ist?

00:19:09: Wenn diese Transaktionskosten zu hoch werden dann kommt der Handelsschlicht weg gar nicht erst zustande selbst wenn die acht tausend Euro für das Auto objektiv ein absolut fairer Preis gewesen wären.

00:19:21: Das Misstrauen blockiert also komplett den Markt

00:19:24: ganz genau.

00:19:25: Und wenn wir diese Logik jetzt mal auf unsere moderne Plattformökonomie skalieren, dann erkennen wir plötzlich den wahren Wert von Giganten wie Uber oder Airbnb.

00:19:34: Oh das ist ein guter Punkt!

00:19:36: Diese Firmen haben ja im Kern überhaupt keine Transport- oder Immobilienunternehmen gegründet – sie besitzen keine Autos und keine Wohnungen….

00:19:45: Sie haben stattdessen gigantische Maschinen zur Senkung von Transaktionskosten gebaut.

00:19:51: Das ist ein unglaublich faszinierender Mechanismus weil wenn ich mich früher in einer völlig fremden Stadt, in das Privatauto eines Wildfremden gesetzt hätte oder in der privaten Wohnung eines Fremden übernachtet hätte.

00:20:05: Das hätte kaum jemand gemacht!

00:20:06: Niemals – die empfundenen Transaktionskosten also primärmal das enorme Risiko für meine persönliche Sicherheit und natürlich für mein Geld wären astronomisch hoch gewesen.

00:20:17: Der Markt für dieses private Couchsurfing existierte zwar in irgendwelchen kleinen Nischen aber er war null skalierbar

00:20:24: Und Plattformen wie Airbnb haben Vertrauen dort künstlich hergestellt, wo natürlicherweise einfach keines existierte.

00:20:32: Sie standardisieren die ganze Zahlungsabwicklung – sie verifizieren Identitäten per Ausweis und vor allem sie institutionalisieren diese Reputation über gegenseitige Bewertungssysteme!

00:20:45: Sterne und Rezension, genau.

00:20:47: Sie machen das tiefe Misstrauen zwischen zwei völlig Fremden plötzlich kalkulierbar und damit handelbar Die Gebühr die Airbnb oder Uber dann bei jeder einzelnen Transaktion einbehält.

00:21:00: Das ist ökonomisch betrachtet schlicht und ergreifend der Preis den wir als Gesellschaft bereit sind zu zahlen um diese extrem hohen Transaktionskosten des Misstrauens auszulagern.

00:21:10: Ein gigantischer Teil unserer modernen Dienstleistungswirtschaft, also von Notaren über Wirtschaftsprüfer bis hin eben zu diesen riesigen globalen Plattformen existiert also eigentlich ausschließlich zudem einen Zweck Brücken des Vertrauens über den Abgrund der Informationsasymetrie zu bauen.

00:21:29: Exakt!

00:21:30: Wir finanzieren ganze Industriezweige, deren einzige Aufgabe es ist die Reibungsverluste der menschlichen Natur irgendwie zu neutralisieren.

00:21:39: Wenn wir unsere heutige gedankliche Reise jetzt mal zusammenführen, dann kristallisiert sich ein wirklich klares Bild heraus.

00:21:46: Der Markt ist kein mathematisches Naturgesetz das losgelöst von uns Menschen operiert.

00:21:51: Er ist ein komplexes historisch extrem langsam gewachsenes und zutiefst soziales Konstrukt.

00:21:59: Egal ob wir über die Existenz von steifen Firmenhierarchien sprechen, über diesen tragischen Ressourcenfluch in vielen Entwicklungsländern oder über die reibungslose Funktionsweise einer App auf unserem Smartphone, das Fundament ist am Ende immer exakt dasselbe.

00:22:17: Märkte ruhen auf Institutionen, auf klaren rechtlichen Rahmenbedingungen und vor allem – und das ist das Wichtigste – auf gesellschaftlichem

00:22:27: Vertrauen.".

00:22:28: Und gelingt es einer Gesellschaft dieses unsichtbare Gewebe zu weben und auch aktiv zu pflegen?

00:22:34: Dann entsteht enormer Wohlstand für alle!

00:22:37: Reist das Gewebe aber, weil das Vertrauen erodiert, bricht selbst die allerbeste wirtschaftliche Struktur sofort in sich zusammen.

00:22:44: Wirtschaftliches Handeln lässt sich eben niemals von seinen sozialen und politischen Würzeln trennen.

00:22:51: Die Stabilität unserer Märkte ist letztlich immer nur ein Spiegelbild der Stabilität unserer gesellschaftlichen Institutionen.

00:23:00: Und aus genau dieser Erkenntnis leitet sich für mich noch ein finaler etwas provokanter Gedanke ab denn du heute mit in den Tag nehmen solltest.

00:23:09: Auch wenn wir das jetzt noch gar nicht beleuchtet haben, Wir haben ja sehr intensiv darüber gesprochen dass ein Großteil unserer heutigen digitalen Ökonomie darauf basiert Misstrauen durch Reputationssysteme zu senken also diese Sternebewertungen Verkäuferprofile verifizierte Fotos bei Onlinebestellungen.

00:23:28: dieses mühsam aufgebaut Vertrauenskapital hält die globale Maschine am Laufen.

00:23:34: Aber was passiert eigentlich, wenn wir jetzt in eine Phase eintreten?

00:23:39: In der künstliche Intelligenz und Bots in der Lage sind all diese Vertrauenssignale massenhaft hyperrealistisch und für Bruchteile von Zendtbeträgen perfekt zu fälschen.

00:23:50: Ein gruseliger Gedanke!

00:23:52: Was wenn du als Konsument einfach nicht mehr unterscheiden kannst ob tausend detaillierte Rezensionen- und Nutzerfotos von echtem Menschenstammung oder von einem autonomen Algorithmus generiert wurden?

00:24:02: um dich zu täuschen Wenn die Kosten um Vertrauen zu simulieren auf Null sinken, verschwindet dann die Aussage Kraft unserer gesamten digitalen Institutionen.

00:24:12: Das würde das System sprengen!

00:24:13: Und bricht uns der unsichtbare Boden des Marktes einfach unter den Füßen weg?

00:24:18: Weil diese Transaktionskosten des Misstrauens wieder völlig unbezahlbar

00:24:22: werden?!

00:24:23: Das ist ein Szenario, dass die Grundfest in unsere aktuellen Wirtschaftsordnung komplett infrage stellt.

00:24:28: Danke, dass ihr uns auf dieser gedanklichen Reise begleitet habt – bis zum nächsten Mal.

00:24:32: Auf Wiederhören Und bis bald!

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