2 Warum Wettbewerb zwangsläufig zu Giganten führt

Shownotes

Wettbewerb verspricht Vielfalt — und erzeugt Konzentration. Wer einmal vorn liegt, zieht weiter davon. Am Ende herrscht der Sieger über den Markt, statt in ihm zu konkurrieren.

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00:00:00: Das ist der Podcast, Herbert und Mara erklären Wirtschaft.

00:00:03: Heute widmen wir uns dem Thema Wettbewerb erzeugt Konzentration!

00:00:09: Und das starten wir direkt mal mit einem kleinen Gedankenexperiment für dich.

00:00:14: Also frag dich mal kurz über welche Suchmaschine suchst du eigentlich im Netz?

00:00:18: Welchen Messenger nutzt Du so für die ganzen

00:00:20: Familienchats?!

00:00:21: Und wo bestellst Du abends noch schnell Deine Pakete?

00:00:25: Ich schätze mal Die Antworten bei Dir waren da gerade ziemlich eindeutig oder?

00:00:29: Ja absolut Und genau das ist ja der springende Punkt.

00:00:32: Weil obwohl es da draußen theoretisch Dutzende, wenn nicht hunderte Alternativen gibt hast du jetzt wahrscheinlich wie fast alle weltweit an exakt dieselbe Handvoll Firmen gedacht.

00:00:44: Wahnsinn!

00:00:44: Ja

00:00:45: und das ist so ein scheinbares Paradoxon dass wir in unserer heutigen Betrachtung mal entschlüsseln wollen.

00:00:51: eigentlich lernen wir ja in der Schule Wettbewerb für zu vielfalt aber am Ende bleiben dann irgendwie doch nur ein paar riesige Giganten übrig.

00:00:59: Genau, das ist ein echter Widerspruch zwischen dieser reinen Lehrbuchtheorie wo freier Wettbewerb automatisch Innovationen antreibt und eben unserer Realität.

00:01:10: Wir erwarten da einen bunten Marktplatz aber bekommen am Ende so eine Handvoll gigantischer Wolkenkratzer.

00:01:16: Ja und warum führt der Markter nicht zu vielen gleich großen Firmen die sich da irgendwie die Waage halten?

00:01:21: Das ist der entscheidende Denkfehler, den wir da ganz oft machen.

00:01:24: Wir sehen diese extreme Konzentration und denken sofort – das ist ein Marktversagen!

00:01:30: Der Wettbewerb muss kaputt sein.

00:01:32: Okay, und das stimmt gar nicht?

00:01:33: Nein

00:01:34: überhaupt nicht.

00:01:35: Diese Giganten sind oft einfach das Ergebnis eines höchsterfolgreichen also eines richtig extrem funktionierenden Wettberabs.

00:01:43: Krass Na

00:01:46: ja, wir müssen uns von dieser Vorstellung verabschieden dass Konkurrenz immer nur über den Preis läuft.

00:01:51: Der Ökonom Joseph Schumpeter hat da einen spannenden Gedanken reingebracht.

00:01:56: er sagte die wahre Konkurrence die läuft über Innovation.

00:02:01: Wer also etwas komplett Neues erfindet ist für einen kurzen Moment total konkurrenzlos.

00:02:05: man wird sozusagen zu einem kleinen Monopolisten.

00:02:09: Ah, okay.

00:02:09: Lass uns das mal entpacken!

00:02:11: Dieser kurzfristige Monopolgewinn ist also der eigentliche Motor des Fortschritts.

00:02:15: Exakt

00:02:16: ohne diese riesige Karotte vor der Nase würde ja niemand Milliarden in Erfindungen stecken.

00:02:21: Ja weil es sich gar nicht lohnen würde.

00:02:23: aber da muss ich jetzt mal kritisch nachhaken.

00:02:26: Ein kurzfristiger Vorsprung ist logisch Aber müsste dieser Vorspring nicht eigentlich extrem schnell wegschmelzen?

00:02:34: Wie meinst du das?

00:02:35: Naja, sobald die Konkurrenz die Idee kopiert oder eben nachzieht.

00:02:39: Warum friert dieser Vorsprung in der Realität statt dessen so oft einfach ein?

00:02:44: Das ist doch genau das was wir im Alltag bei den großen Tech-Konzernen die ganze Zeit erleben

00:02:49: Richtig.

00:02:50: Das ist eine super Beobachtung und die Antwort darauf liefert uns zwei richtig mächtige Mechanismen, die als so einer Art Beschleuniger wirken.

00:03:00: Die verwandeln diesen zeitlichen Vorsprung nämlich in eine dauerhafte Dominanz.

00:03:05: Okay was ist der erste Mechanismus?

00:03:07: Das sind die Skalenerträge!

00:03:09: In vielen Branchen sinken ja die Kosten pro Stück je mehr du produzierst.

00:03:14: Ja klar, also wenn ich massig produziere wird es pro Einheit billiger.

00:03:17: Genau aber bei Software ist das nochmal viel krasser.

00:03:20: Die allererste Kopie von einem neuen Programm die kostet Millionen in der Entwicklung Aber die zweite Kopie...

00:03:26: ...die koste dann praktisch Null.

00:03:28: Exakt!

00:03:28: Die kostet fast gar nichts mehr.

00:03:30: Wer also bereits groß ist Der produziert automatisch billiger als jeder kleine neue Konkurrent.

00:03:35: Und dass nicht weil er zwingend klüger ist Sondern schlicht weg weil er eben schon größer ist

00:03:40: Wahnsinn!

00:03:40: Okay, das erklärt warum große Firmen Start-ups finanziell einfach aushungern können.

00:03:45: Aber was ist der zweite Mechanismus?

00:03:46: Da

00:03:46: kommt ja sogenannte Netzwerkeffekt ins Spiel.

00:03:49: Das betrifft die Nachfrageseite.

00:03:51: Plattformen verbinden immer Gruppen miteinander Also Käufer und Verkäufer oder eben Freunde mit Freunden.

00:03:56: Und da gilt das eiserne Prinzip Erfolg zieht einfach Erfolg

00:04:00: an Strem nach modernem Silicon Valley und Big Tech.

00:04:04: Ist es denn wirklich so ein rein digitales Phänomen?

00:04:07: Nein überhaupt nicht.

00:04:09: Das Digitale hat das Ganze nur rasant beschleunigt.

00:04:12: Aber die Logik dahinter ist uralt, denk mal an die Eisenbahnen im neunzehnten Jahrhundert oder die Schwerindustrie Energieversorger.

00:04:21: Überall da gab es diese Konzentrationslogik schon immer.

00:04:24: Ökonomen nennen das auch gerne Winner-Take Most also die wenigen an der Spitze nehmen sich am Ende fast alles.

00:04:30: Okay aber was bedeutet das alles für uns?

00:04:34: Wenn dieses Winner Take Most das ganz natürliche Ergebnis von einem funktionierenden Wettbewerb ist, ist Wett bewerbt dann eigentlich eine Lebenslüge.

00:04:45: Wie kommst du darauf?

00:04:46: Naja wenn am Ende sowieso immer der größte gewinnt tun wir dann politisch und gesellschaftlich nicht einfach nur so als wäre der Markt offen?

00:04:54: Nein!

00:04:55: Der muss sich wirklich wehement widersprechen.

00:04:57: gerade der extrem scharfe Wett Bewerb treibt diese Konzentration ja erst an

00:05:02: Weil er die Schwachen aussortiert?

00:05:04: Richtig Er belohnt die besten gnadenlos.

00:05:07: Und das führt uns zu dem eigentlichen Dilemma der modernen Wettbewerbspolitik.

00:05:12: Wir stecken da in einem massiven Spannungsfeld!

00:05:16: Auf der einen Seite ist Marktmacht natürlich extrem gefährlich, Unternehmen können Preise diktieren, Konkurrenten komplett aussperren oder eben Innovationen bremsen.

00:05:29: Aber auf der anderen Seite kann genau dieselbe Dominanz auch einfach schlicht das Ergebnis eines überlegenen Produkts sein, dass die Menschen im Alltag einfach viel besser finden.

00:05:39: Stimmt!

00:05:40: Da ist man ja als Konsument auch total bequem.

00:05:42: Aber wo ist da die Grenze?

00:05:44: Also ab wann hört dieser berechtigte Erfolg auf und wann fängt der gefährliche Missbrauch an?

00:05:49: Das ist die unlösbare Frage unserer Zeit Weil wenn die Politik da jetzt zu früh eingreift, bestraft sie ja im Grunde den Erfolg und zerstört diesen Innovationsmotor, den wir am Anfang besprochen haben.

00:06:01: Ah, verstehe!

00:06:03: Und wenn Sie aber zu spät eingreifen, dann ist die Macht schon völlig cementiert?

00:06:07: Exakt – das ist überhaupt keine ökonomische Formel mehr, die man berechnen kann sondern eine hochkomplexe fast schon philosophische politische Entscheidung.

00:06:17: Da muss man extrem neutral bleiben weil beide Seiten absolut berechtigte Argumente haben.

00:06:23: Ja, das ist wirklich eine Gratwanderung!

00:06:26: Um dir als Hörer jetzt das mächtigste Werkzeug von dieser ganzen Dynamik für deinen Alltag mitzugeben, zoomen wir jetzt in unserem Gezeitenglosser nochmal ganz scharf auf den absoluten Kernbegriff und der lautet ganz klar Netzwerkgefekt.

00:06:41: Kurz definiert bedeutet dass ein Gut wird wertvoller je mehr andere Menschen es ebenfalls benutzen.

00:06:47: Hast du da vielleicht ein richtig gutes Beispiel abseits von Social Media für uns?

00:06:52: Ja klar, nimm einfach das allererste Telefon der Welt.

00:06:55: Das war für sich genommen völlig nutzlos.

00:06:57: Stimmt weil mit wem hätte man denn telefonieren sollen?

00:07:00: Genau Erst das zweite Telefon auf der Welt machte die Erfindung überhaupt interessant.

00:07:05: Der Wert steckt in dem Fall also nicht in der Hardware, dem Apparat an sich sondern einzig und allein im Netz der anderen Nutzer Und das lässt sich direkt auf dich als Hörer übertragen.

00:07:15: Das ist nämlich der absolute Lock-in.

00:07:18: Du bleibst bei irgendeinem Anbieter, über den du dich eigentlich im Alltag ständig beschwerst – einfach nur weil ein Wechsel bedeuten würde dass du das ganze Netz der anderen verlassen musst.

00:07:28: Richtig!

00:07:29: Es ist der unsichtbare Kleber der Plattformökonomie.

00:07:32: Wahnsinn!

00:07:33: Dann möchte ich dir zum Schluss noch einen kleinen aber vielleicht etwas provokanten Gedanken zum Weitergrübeln mitgeben.

00:07:39: wenn der Wettbewerb uns heute diese massiv zementierten Giganten beschert hat Was passiert dann eigentlich, wenn eine völlig neue, bahnbrechende Technologie auftaucht?

00:07:49: Also so wie wir das ja vielleicht gerade mit der künstlichen Intelligenz erleben.

00:07:53: Mhm,

00:07:53: extrem spannende Frager!

00:07:55: Werden diese Winna-Tech-Mos Giganten von heute einfach das neue Spielfeld komplett aufkaufen?

00:08:01: oder ist es genau dieser eine seltene Moment in dem die Uhr wieder komplett auf Null gestellt wird?

00:08:07: Das war's für heute, danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

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